PM | Erhard Grundl neues Vorstandsmitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft

27. November 2018

Anlässlich seiner Wahl zum Beisitzer im Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft erklärt Erhard Grundl MdB, Sprecher für Kulturpolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:

Für die Wahl zum Beisitzer im Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft und das in mich gesetzte Vertrauen bedanke mich herzlich. Auf die spannende Aufgabe im Vorstand mitzuarbeiten und den Austausch mit den dort versammelten Expertinnen und Experten freue mich sehr.

Das große kulturpolitische Thema unserer Zeit ist für mich die kulturelle Teilhabe. Kunst und Kultur sind ein öffentliches Gut und sollten allen zugänglich sein, unabhängig von Einkommen, Herkunft und Bildung. Hierzu kann die Eintrittsfreiheit in Kultureinrichtungen ein erster Schritt sein, sofern sie eingebettet ist in ein Gesamtkonzept und nicht zu Lasten der Vielfalt der Kulturangebote geht. Dieser Schritt reicht aber alleine nicht aus, um nachhaltig neue Bevölkerungsgruppen anzusprechen. Wir brauchen hierfür mehr museumspädagogische Vermittlungsangebote und niedrigschwellige Projekte, auch außerhalb der Museen. Auch die Digitalisierung bietet neue Vermittlungsmöglichkeiten, stellt aber Museen und Archive auch vor große finanzielle Herausforderungen.

„Kunst ist schön, aber macht viel Arbeit“, soll Karl Valentin gesagt haben. Von dieser Arbeit muss man auch leben können. Konkret ist mein Ziel, die Rechte der Kunstschaffenden zu stärken, vor allem ihre soziale Lage zu verbessern. Für mich ist entscheidend, dass die soziale Absicherung von Kreativen und Selbstständigen mit geringem Einkommen durch die Einbeziehung in die sozialen Sicherungssysteme verbessert wird. Außerdem müssen, auch jenseits von Festanstellungen, angemessene Vergütungen für kreative Arbeit sowie sozial-, arbeits- und vertragsrechtliche Mindeststandards sichergestellt werden. Zudem ist Kultur nicht nur Philharmonie, sondern auch neue Musik und Hiphop. Es sollte eine annähernd gerechte Förderung der künstlerischen Sparten geben. Ich möchte außerdem erreichen, dass Förderkriterien an bestimmten Standards gemessen werden: wie Transparenz und Geschlechtergerechtigkeit, etwa bei der Besetzung von Jurys und Führungspositionen.

Der derzeit neu erstarkende Chauvinismus und Rassismus verdeutlicht: Einen Schlussstrich unter unsere Geschichte gibt es nicht. Vielmehr muss sich unsere Demokratie daran messen lassen, wie viel kritische Auseinandersetzung wir mit unserer Vergangenheit zulassen. Heute stehen wir in der Aufarbeitung des Nationalsozialismus vor einer Zäsur. Die Ära der Zeitzeugen geht zu Ende. Umso dringender müssen wir uns mit den Fragen auseinandersetzen, wie wir mit Erinnerung unter den Bedingungen von Migration und Flucht umgehen.

Zudem haben wir bis heute blinde Flecken bezogen auf die Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Dazu gehören die vermeintlich „vergessenen“ Opfergruppen der sogenannten „Asozialen“ und „Berufsverbrecher“.

 

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