Eindrücke und Kontakte: MdB Erhard Grundl in Prag

19. August 2022

„Zuhören und Kontakte knüpfen, das war das Ziel meines ersten Besuchs in Prag in dieser Wahlperiode. Auf dem berühmten Balkon der Prager Botschaft war der „Atem der Geschichte“ gewissermaßen zu spüren. Von dort hatte 1989 der damalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher den DDR-Flüchtlingen ihre Ausreisegenehmigung verkündet. Das war zugleich der Anfang einer politischen Entwicklung, an deren Ende der Mauerfall und schließlich die deutsch-deutsche Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 stand.“

Beim Gespräch mit dem Botschafter Dr. Hans-Peter Hinrichsen erläuterte dieser die aktuelle Lage in Tschechien angesichts des Ukraine-Kriegs und des Zustroms von Flüchtlingen. Weitere Gesprächsthemen waren die Lage in der Ukraine, die Haltung in Tschechien zum Ausbau der erneuerbaren Energien sowie die Bewertung der deutschen Außenpolitik in Tschechien.

Anschließend traf MdB Grundl sich mit Jana Hrda in der Repräsentanz des Freistaates Bayern in der Tschechischen Republik. Beeindruckt zeigte er sich von den mannigfaltigen kulturellen Aktivitäten des Hauses. Jana Hrda bedauerte die Auswirkungen der Corona-Zeit; so habe etwa das Interesse an Schulpartnerschaften seither abgenommen. Grundl interessierte sich auch für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Rettungsdiensten und im Tourismus. Unumgänglich war auch das Thema Ukraine-Krieg.

Ein Besuch im Goethe-Institut Prag rundete den Tag ab. An dem Gespräch nahmen neben Vertretern des Instituts auch die Schriftstellerin Radka Denemarková und Jitka Jilková, die emeritierte Direktorin des Prager Theaterfestivals deutscher Sprache, teil. Auch in dieser Runde wurden Auswirkungen von Corona und Krieg auf die Kulturszene beklagt. Radka Denemarková berichtete über ihren Roman „Stunden aus Blei“, der vordergründig von der Symbiose von Kapitalismus, Kommunismus und Totalitarismus in China handle, „aber der Roman handelt von uns!“ Vielfalt sei auch in der Kultur so wichtig, wogegen Zensur wichtig für Oligarchen sei. „Wir sind gefährlich!“, sagte Radka Denemarková über die Rolle der Künstler*innen und die freie Kunst. Über die facettenreiche Arbeit des Goethe-Instituts und seine Bedeutung für die Kultur wurde noch lange diskutiert.

Erhard Grundl betonte: „Das deutsch-tschechische Verhältnis ist sehr gut. Ich möchte der internationalen Kulturpolitik besonders im Austausch mit unseren unmittelbaren Nachbarländern aber noch mehr Gewicht verleihen. Das ist für mich auch für meine Arbeit im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags entscheidend. Es zeigt sich immer wieder, wenn es auf politischer Ebene schwierig wird, kann die kulturelle Zusammenarbeit wichtige Gesprächskanäle bieten.“

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